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06.09.2017

Brustgesundheit – Tipps aus der gynäkologischen Praxis

Interview mit Dr. med. Leonie Sernetz, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe

Dr. med. Leonie Sernetz ist seit über 1.5 Jahren als Ärztin in der Frauenklinik des Spital Zollikerberg tätig. Sie referierte zum Thema Brustgesundheit am Mittwoch, 06.09.2017, gemeinsam mit Dr. med. Monika Bamert, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und Chefärztin für Gynäkologische Onkologie am Spital Zollikerberg. Das Interview wurde ein paar Tage nach der Veranstaltung geführt.

 

Frau Sernetz, welches sind die häufigsten Brustbeschwerden?
Leonie Sernetz: Der häufigste Grund, weswegen Frauen in Bezug auf Brustbeschwerden ihre Frauenärztin oder ihren Frauenarzt aufsuchen, ist eine Verhärtung in der Brust, welche sie selbst ertastet haben. Aber auch Rötungen, Brustspannen und Schwellungen in den Achselhöhlen sind oft Anlass für einen Besuch beim Gynäkologen oder der Gynäkologin.

 

Wie kann ich selber einschätzen, ob die Beschwerden mit grosser Wahrscheinlichkeit von harmloser Natur sind?
Beschwerden, die in beiden Brüsten auftreten und mit Hormonen in Verbindung gebracht werden können, also beispielsweise regelmässige Beschwerden vor der Menstruation, sind in der Regel harmlos. Es lohnt sich, vor dem Aufsuchen einer Gynäkologin oder eines Gynäkologen ein bis zwei Wochen abzuwarten und zu beobachten, ob die Schmerzen von selbst zurückgehen.

 

Wann ist eine ärztliche Abklärung ratsam?

Eine ärztliche Abklärung bei Brustbeschwerden ist immer dann ratsam, wenn noch nie dagewesene Beschwerden auftreten, beispielsweise eine neu entstanden Haut- bzw. Konturveränderung der Brust, eine neu entstandene Verhärtung in der Brust oder Achselhöhe oder farbige oder blutige Absonderung aus der Brustwarze.

 

Wie taste ich meine Brust richtig ab?
Es ist sinnvoll, die Brust einmal monatlich selbst zu untersuchen. Als Zeitpunkt eignet sich jeweils die Zeit nach der Menstruation am besten. Bei Frauen, welche die Wechseljahre bereits hinter sich haben, ist der gewählte Zeitpunkt unerheblich.

Am besten wird die Brust zunächst vor dem Spiegel betrachtet, um allfällige Haut- oder Konturveränderung nicht zu übersehen. Im Anschluss sollte die Brust systematisch, also beispielsweise im Uhrzeigersinn, abgetastet werden. Zusätzlich empfehlen wir, bei der Selbstuntersuchung auch die Abtastung der Achselhöhlen nicht zu vergessen.

Grafik mit Tipps für eine korrekt ausgeführte Selbstuntersuchung

 

In letzter Zeit wurde in den Medien oft über das Risiko von Aluminiumsalzen in Deodorants diskutiert. Wie sehen Sie das? Sind diese Deos wirklich brustkrebsfördernd?
Ein Zusammenhang zwischen Aluminiumsalzen und Brustkrebs ist wissenschaftlich nicht belegt. Deodorants, welche Aluminiumsalze enthalten und vor einer Mammographie angewandt werden, können auf der Haut Rückstände hinterlassen. Diese Rückstände können auf Röntgenaufnahmen mit sogenanntem Mikrokalk verwechselt werden, welcher ein Hinweis auf Brustkrebs oder Brustkrebsvorstufen sein kann. Um diese Verwechslungen zu vermeiden, sollte die Frau vor der Mammographie daher keine Deodorants oder andere Cremes und Lotionen auf die Achsel oder die Brust auftragen.

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