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07.11.2018

Menopause – Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Neue Erfahrungen als Chance.

Interview mit Dr. med. Zahraa Kollmann, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, speziell gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin

Dr. med. Zahraa Kollmann ist als Leitende Ärztin in der Frauenklinik des Spitals Zollikerberg tätig. Sie referierte zum Thema «Menopause – Beginn eines neuen Lebensabschnitts» am Mittwoch, 7.11.2018, gemeinsam mit Dr. med. Eduard Vlajkovic, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, speziell operative Gynäkologie und Geburtshilfe, Chefarzt Frauenklinik Spital Zollikerberg. Das Interview wurde ein paar Tage nach der Veranstaltung geführt.

 

Frau Kollmann, wie erkennt eine Frau, ob sie sich in den Wechseljahren befindet?
Dr. med. Zahraa Kollmann: Wenn eine Frau in die Wechseljahre kommt, ändert sich die Funktion der Eierstöcke. Diese stellen nämlich die Östrogenbildung ein, was dazu führt, dass die Regelblutungen ausbleiben. Es findet also eine hormonelle Veränderung statt. Wenn während 12 Monaten keine Regelblutung mehr aufgetreten ist, beginnen die natürlichen Wechseljahre.

 

Welches sind die häufigsten Wechseljahrbeschwerden?
Die häufigsten Beschwerden sind vasomotorische Symptome, also Hitzewallungen und Schweissausbrüche. Etwa die Hälfte aller Frauen in den frühen Wechseljahren klagen über Schlafstörungen als Folge des Östrogenmangels und der Hitzewallungen. Zusätzlich zu den körperlichen Symptomen können psychische Symptome auftreten, wie beispielsweise eine Neigung zur Depression, Reizbarkeit, Angespanntheit sowie eine leichte Ermüdbarkeit.

 

Leiden alle Frauen daran oder gibt es auch solche, die fast ohne Symptome durch diese Zeit kommen?
Etwa ein Drittel der Frauen hat so schwere Symptome, dass die Funktionsfähigkeit im Beruf und Alltag stark eingeschränkt ist. Ein weiteres Drittel hat milde Symptome und der Rest der Frauen erlebt die Wechseljahre sozusagen beschwerdefrei.

 

Oft liest und hört man von der Hormontherapie als Behandlungsmethode bei starken Beschwerden. Können Sie kurz erläutern, wie diese wirkt und ob es unterschiedliche Arten gibt?
Die Wechseljahre stellen eine Phase mit einem Hormondefizit dar. Mit der Hormonbehandlung wird lediglich das ersetzt, was der Körper vorher selbst produziert hat. Damit kann man sowohl die psychischen als auch die organischen Veränderungen gleichermassen kausal behandeln. Die Hormontherapie kann bei Patientinnen, welche die Gebärmutter entfernt haben, mit reinem Östrogen durchgeführt werden. Bei Patientinnen mit einer Gebärmutter kommt ein kombiniertes Präparat mit Östrogen und Gestagen zum Einsatz. Des Weiteren gibt es auch noch selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren (Design-Östrogene mit gewebespezifischer Wirkung) und Therapien mit bioindentischen Hormonen (chemisch weiterverarbeitet, meist aus Soja oder der Yams-Wurzel). Die Hormone können sowohl systemisch (Tabletten, Pflaster, Gel) als auch lokal (Ovula, Creme, Ring) eingenommen werden.

 

Kann jede Frau in den Wechseljahren eine Hormontherapie machen, um die Lebensqualität zu steigern?
Nein, denn die Hormontherapie in den Wechseljahren soll nur zur Behandlung von Beschwerden eingesetzt werden und nicht der Prävention dienen. Indikationen für eine mögliche Anwendung der Hormontherapie sind beispielsweise extreme Hitzewallungen, starkes Schwitzen, Schlafstörung sowie auch die Osteoporose und die vorzeitige Menopause (Ausfall der Monatsblutung aufgrund einer Störung der Eierstockfunktion vor dem 40. Lebensjahr). Auch die Trockenheit im Intimbereich und rezidivierende Harnwegsinfekte stellen weitere Indikationen für eine hormonelle Behandlung dar.

 

Welchen Rat möchten Sie Frauen in den Wechseljahren mit auf den Weg geben?
Um die Wechseljahre gesund meistern zu können, spielt ein ausgeglichener Lebensstil eine wichtige Rolle. Bewegen Sie sich also ausreichend und regelmässig und achten Sie auf eine gesunde Ernährung. Auch die Reduzierung des Alkoholkonsums und die Beendigung des Rauchens sind wichtige präventive Faktoren. Ein «Mindfulness-Training» kann Wechseljahrbeschwerden lindern, genauso wie genügend Entspannung und Schlaf. Lassen Sie sich unbedingt kompetent beraten, wenn Sie unter Wechseljahrsymptomen leiden. Es gibt auch neben der Hormontherapie viele Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern.

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