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29.09.2016

Blasenprobleme behandeln, Lebensqualität gewinnen

Interview mit Ursula Schmid, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Spezialistin für Urogynäkologie

Ursula Schmid führt als Oberärztin seit 15 Jahren die urogynäkologische Sprechstunde in der Frauenklinik Spital Zollikerberg. Sie referierte zum Thema Urogynäkologie im Rahmen der Publikumsanlässe am Mittwoch, 21.9.2016 gemeinsam mit Dr. med. Eduard Vlajkovic, Chefarzt Frauenklinik Spital Zollikerberg, und PD Dr. med. Verena Geissbühler, Konsiliarärztin für Urogynäkologie am Spital Zollikerberg. Das Interview wurde ein paar Tage nach der Veranstaltung geführt. 

Frau Schmid, wenn ich feststelle, dass meine Blase nicht mehr so problemlos funktioniert, soll ich mit meinem Hausarzt darüber sprechen oder besser - direkt zu Ihnen in die urogynäkologische Sprechstunde kommen?  
Ursula Schmid: Sprechen Sie, wenn Sie betroffen sind, mit dem Arzt Ihres Vertrauens über das Problem. Wenn Ihnen das unangenehm ist, dürfen Sie sich auch an unsere Frauen-Permanence Zürich oder an das Ambulatorium der Frauenklinik wenden. Problemfälle werden dann intern in die Spezialsprechstunde weitergewiesen.

Beobachten Sie, dass es Patientinnen schwer fällt über ihre Blasenschwäche zu sprechen?
Sprechen wir besser nicht von Blasenschwäche, sondern direkt von Inkontinenz. Eine Inkontinenz kann vielfältige Ursachen haben. Ein Blasenproblem ist nur eine davon. Und die Blase ist dann meist nicht schwach, sondern überaktiv, „nervös“. Zurück zu Ihrer Frage: Die Frauen selber kommunizieren heute viel offener über ihre Beschwerden. Sie nehmen die Einschränkungen durch Inkontinenz nicht mehr einfach so hin. Sie fordern die Behandlung ein und sind gut informiert. Zudem haben wir den Vorteil minimalinvasiver Operations-Verfahren, sie benötigen keine Vollnarkose mehr und sind daher auch für ältere Patientinnen geeignet.

Sind vor allem ältere Patientinnen von Inkontinenz betroffen?
Bis zu einem gewissen Grad ja, aber es gibt viele Ursachen für Inkontinenz, manche sind einfach zu behandeln, manche nicht so einfach, auch nicht bei jungen Patientinnen. Manche sind sehr gut zu behandeln, auch im hohen Alter, manche nicht so gut. 

Es sind schon häufiger ältere Frauen betroffen, vor allem Frauen nach der Menopause. Aber auch jüngere Frauen können an einer Reizblase oder an einer Belastungsinkontinenz leiden. 

Wenn Sie Frauen beraten, wie vielen gelingt es, ihre Beschwerden ohne operativen Eingriff zu managen?
55 Prozent der Frauen leiden an einer Belastungsinkontinenz (früher Stressinkontinenz), die operativ behandelbar ist, wobei es aber auch noch Alternativen zur Operation gibt (Beckenbodenphysiotherapie, Pessare). Die Frau entscheidet sich nach der Diagnostik und Beratung, ob sie die Operation möchte oder Alternativen ausprobiert.

30 Prozent leiden an einer gemischtförmigen Inkontinenz, die zum Teil durch Belastungsinkontinenz verursacht ist. Nur wenn diese überwiegt, profitieren sie auch von einer Operation, aber sie werden dadurch noch nicht vollständig kontinent.

15 Prozent leiden an einer reinen Dranginkontinenz, bei denen hilft eine Operation überhaupt nicht. Diese Patientinnen motivieren wir zu einem Trink-und Miktionstraining, um die Blasenfunktion zu verbessern. Hier helfen häufig konservative Therapien wie blasenentspannende Medikamente und Akupunktur. 

Wann kommt eine Operation in Frage?
Oft ist es der Leidensdruck, der die Frage nach einer Operation aufwirft. Wenn die konservativen Methoden den erwünschten Erfolg nicht gebracht haben, sollte man die Chancen und Risiken einer operativen Therapie abwägen. In vielen Fällen kann eine Operation die Lebensqualität verbessern. Blase, Harnröhre, Darm, Eierstöcke, Gebärmutter und Beckenboden, die Organe im Bauchraum beeinflussen sich gegenseitig. Eine Operation sollte auch die mitbetroffenen Organe entlasten.

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